Ebenen des Lebensnetzes - Ökologische Infrastruktur
Im Aufwertungsprojekts LBB – Landschaftspflege, Bevölkerungsschutz, Biodiversität werden die Natur- und Kulturflächen aufgewertet, erhalten und landwirtschaftlich genutzt. Dabei spielt die Förderung der ökologischen Infrastruktur eine wichtige Rolle. Anhand dieses Vorbildprojekts wird die ökologische Infrastrukturvorgestellt.
Folgede Texte sind von BirdLife Schweiz (2023): Die Ebenen der Ökologischen Infrastruktur - Merkblätter.
Was ist die ökologische Infrastruktur
Die Ökologische Infrastruktur ist ein landesweites, zusammenhängendes Netz von Flächen, die für die Biodiversität wichtig sind. Das Netzwerk setzt sich aus einem Verbund zusammen, die sich auf die Lebensraum-Ansprüche von Arten, auf Lebensgemeinschaften und Ökosysteme abstützen.
Entscheidend für eine wirksame Ökologische Infrastruktur sind nicht allein viele kleine, sondern auch mehr grosse Kerngebiete (grün). Der Austausch zwischen den Kerngebieten muss für die Populationen der verschiedenen Arten gewährleistet sein. Dies kann z. B. durch naturnah bewirtschaftete und ökologisch wertvolle Flächen (orange umrandet) und Trittstein-Elemente (Fünfecke) ermöglicht werden, die den Ansprüchen von Zielarten gerecht werden. Entscheidend ist, dass auch der Rest der Landschaft möglichst biodiversitätsverträglich bewirtschaftet wird. Zusätzliche, spezifische Artenförderungsmassnahmen (rote Sterne) sind sowohl auf den Flächen der Ökologischen Infrastruktur (grün und orange umrandet) als auch ausserhalb nötig.
Die verschiedene Ebenen
Das Schweizer Standardwerk «Lebensräume der Schweiz» von Delarze et al. (2015) unterscheidet 225 Lebensraumtypen. InfoSpecies – die Dachorganisation der nationalen Daten- und Informationszentren und der Koordinationsstellen Artenförderung – hat ähnliche Lebensraumtypen in 26 Gilden zusammengefasst und als Datengrundlage für die Planung analysiert. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) spricht von mindestens vier Teilebenen, in welchen die InfoSpecies-Gilden gebündelt sind: Feuchtlebensräume, Trockenlebensräume, Mosaikartige Lebensräume und Landschaftsverbindungen. BirdLife Schweiz wiederum arbeitet mit 7 Ebenen für die Ökologische Infrastruktur; diese Vereinfachung erlaubt einen raschen Überblick über die Lebensraumtypen der Ökologischen Infrastruktur.
Quelle: «BirdLife Schweiz (2023): Die Ebenen der Ökologischen Infrastruktur - Merkblätter»
Zeichnung: Giger Graphics

© Marco Schnyder
Gelbe Ebene: Magerwiesen, Buntbrachen, Ruderalflächen, extensive Weiden inkl. Heckensäume
Die offenen Lebensräume der gelben Ebene sind das Produkt traditioneller extensiver Nutzung durch den Menschen oder kommen oberhalb der Waldgrenze vor. Je nach Nutzungszweck und -intensität ändert sich die Artenzusammensetzung und Wuchshöhe von Wiesen und Weiden. Je nährstoffärmer der Standort, umso artenreicher ist die Lebensgemeinschaft. Eine extensive Mahd oder Weide trägt zum Erhalt dieses Artenreichtums bei. Die krautigen Gesellschaften der Brachen und Ruderalfluren siedeln sich auf vegetationsfreien Standorten wie Wegrainen und Bauschutt an. Säume bilden Übergänge von Offenland zu Hecken und Waldrändern und sind ebenfalls von krautigen Pflanzen dominiert.

© Marco Schnyder
Orange Ebene: Trockenwiesen und -weiden, Felsensteppen, Stein- und Schuttfluren
Die Lebensräume der orangen Ebene sind aufgrund ihrer Standorte durch extreme Trockenheit und Nährstoffarmut geprägt. Es handelt sich um Flächen mit spezialisierten Pflanzen- und Tierarten, darunter viele mit lokal beschränktem Verbreitungsgebiet. Trockenwiesen und -weiden sind zumeist durch eine jahrhundertelange Nutzung entstanden. Die Vegetationsdecke der Felsensteppen, Stein- und Schuttfluren wächst auf dünner Humusschicht und bildet ein Mosaik mit vorstehendem nacktem Gestein.

© Marco Schnyder
Dunkelblaue Ebene: Flach- und Hochmoore, Tümpel, Weiher, Seen, temporäre Gewässer
Alle Lebensräume der dunkelblauen Ebene sind zumindest zeitweise vom Wasser geprägt. Die Lebensgemeinschaften von Stillgewässern sind abhängig von deren Grösse und Tiefe und ändern sich zum Ufer hin von aquatisch zu terrestrisch. Intakte Hochmoore sind dauerhaft nass, wodurch die bestandesbildenden Torfmoose nicht abgebaut werden und sich so als organisches Material ablagern. Riede und Röhrichte kommen ebenfalls an dauerhaft sumpfigen Standorten vor. Sie sind von Gräsern dominiert, äusserst produktiv und haben teils ausserordentliche Wuchshöhen. Auf nährstoffärmeren, nassen Standorten entstehen natürlicherweise von Sauergräsern dominierte Flachmoore. In Feuchtwiesen dagegen überwiegen Süssgräser. Feuchtwiesen sind auf extensive Nutzung wie Beweidung oder Mahd angewiesen; ohne Nutzung könnte auf ihren wechselfeuchten Standorten Wald aufwachsen.

© Marco Schnyder
Hellblaue Ebene: Alle Arten Fliessgewässer, Auen, Quellen
Die Lebensräume der hellblauen Ebene werden durch die natürliche Dynamik des Wassers und seines Geschiebes stetig neu geformt. Natürliche Fliessgewässerlebensräume beschränken sich daher nicht nur auf Wasserläufe und Ufer, sondern schliessen regelmässig überschwemmte Gebiete, Seitenarme und Altläufe ein. Dies nicht nur bei grossen Flüssen, sondern auch bei kleineren Gewässern, die ca. drei Viertel aller Fliessgewässerstrecken in der Schweiz ausmachen. Von der Quelle bis zur Mündung bilden sich unterschiedliche, charakteristische Tier- und Pflanzengemeinschaften. Entlang eines Flusssystems entstehen eine Vielzahl von Lebensräumen, die mit zunehmendem Abstand zum Gerinne immer weniger von Wasser abhängig sind. Diese Lebensräume zählt man zu den Auen eines Fliessgewässers.

© Marco Schnyder
Dunkelgrüne Ebene: Naturwaldflächen, Altholzinseln, Biotopbäume, lichte Wälder
Als langlebige Ökosysteme bestehen Wälder natürlicherweise aus einem Mosaik aus unterschiedlichsten Waldentwicklungsstadien, die einen im Schnitt 400–800-jährigen Zyklus von Aufwuchs- bis Zerfallsphase durchleben. Welche Art von Waldgesellschaft aufwächst, wird vom vorhandenen Bodentyp, dem lokalen Klima, der Höhenlage und der Exposition bestimmt. Auch die Krautschicht im Waldunterwuchs ist vom Standort abhängig und entwickelt je nach Belaubungsdichte der Bäume über die Vegetationsperiode verschiedene Ausprägungen.

© Marco Schnyder
Hellgrüne Ebene: Hecken, Gehölze, Obstgärten, Alleen, Waldränder
Charakteristisch für die hellgrüne Ebene sind die halboffenen Kulturlandschaften, die von Gehölzen geprägt sind, unter denen sich auch dornenreiche Sträucher befinden. Diese strukturreichen Kulturlandschaften sind durch jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung entstanden. Besonders wertvoll sind die Flächen in Kombination mit mageren Wiesen oder Weiden und wenn sie mit zusätzlichen Strukturen wie Totholz, offenem Boden, Trockenmauern, Ast- und Steinhäufen angereichert sind. Unzählige Tierarten, insbesondere Insekten, Kleinsäuger und Vögel, finden hier Lebensraum.

© Rafaël Moser
Dunkle Ebene: Flächen und Korridore ohne Störung durch Licht in allen Lebensraumtypen
Eine natürlich dunkle Nacht ist wichtig für die Nahrungsaufnahme und den Lebenszyklus vieler Tierarten, aber auch für Pflanzen. Rund 30 % aller Wirbeltiere und mehr als 60 % aller Wirbellosen sind nachtaktiv und brauchen die Dunkelheit für verschiedenste Aktivitäten. Die zunehmend übermässige Beleuchtung zerschneidet den Lebensraum gewisser nachtaktiver Tiere, stört ihre Orientierung und reduziert ihren Aktionsradius sowie ihr Nahrungsangebot. Für viele Arten wirkt künstliches Licht zudem entwicklungsstörend, selbst unter Wasser. Es braucht daher eine bewusste Ausscheidung von grossen Räumen und Korridoren ohne Störungen durch Licht, vor allem entlang von naturnahen Lebensräumen und insbesondere entlang von Gehölzen, Bächen und Flüssen.





