| Grenzkultur |
Holzzäune Holzzäune waren insbesondere in den holzreichen Gemeinden des Parkperimeters weit verbreitet. Einfallsreiche Konstruktionen ersetzten die fehlenden Nägel oder Schrauben. Handwerkliches Geschick und das Wissen über die Verarbeitung von Holz in Bezug auf den Fällzeitpunkt, die Holzart, die Lagerung, den Einschnitt, die Behandlung, usw. waren erstaunlich. Im Laufe der Pilotprojekte werden verschiedene traditionelle aber auch konventionelle Holzzäune an öffentlich stark frequentierten Orten neu erstellt und evaluiert. Kopfweiden
Heutzutage verschwindet die Weide in ihrer besonderen Gestalt als Kopfbaum mehr und mehr aus unseren Landschaften. In der Gemeinde Turtmann befinden sich jedoch noch Relikte dieser alten agroforstlichen Landnutzungsform. Diese mächtigen Kopfweiden mit einem Stammumfang von bis zu 7 Meter haben in der Schweiz Seltenheitsstatus. Kopfweiden bilden einen vielfältigen Lebensraum auf kleinster Fläche: Nischen für Höhlen bewohnende Vögel oder Fledermäuse und Nahrung für eine Vielzahl von Insekten.
Viele Weidenarten wurden seit jeher vom Menschen genutzt. Grund dafür ist die Biegsamkeit der Weidenruten, die sie als Binde- und Flechtmaterial hervorragend geeignet machen. Die einst wertvollen Rohstoffe der Kopfweiden werden heute nicht mehr genutzt. Durch die fehlenden Pflegeschnitte überaltern diese und die oftmals hohlen Kopfweiden beginnen infolge des Schneedrucks oder des Windes auseinander zu brechen.
Im Rahmen des Projektes werden die am dringendsten zu pflegenden Kopfweiden gepflegt. Mit den Ästen der gepflegten Kopfweiden werden in der Rhonetalebene neue gepflanzt, um diese wertvollen Landschaftsstrukturen nachhaltig sicherzustellen.
Der Naturpark Pfyn-Finges ist geprägt von wertvollen Heckenlandschaften, welche durch die Kultivierung der Landflächen entstanden sind. Sie dienten den Menschen als Schutz- und Verteidigungsanlagen, um das eigene Grundstück deutlich abzugrenzen sowie als Rohstofflieferant für Alltaggegenstände, Brennholz oder Nahrung. Einzelne Heckenpflanzen sind deshalb spezifisch gefördert worden und die Hecken wurden intensiv bewirtschaftet. Durch die unterlassene Nutzung der Hecken nehmen verschiedene dominante Baum- und Straucharten überhand, die früher geerntet wurden.
Vielerorts entwickeln sich Hecken zu einem geschlossenen Baumbestand, der den meisten Sträuchern und Pflanzen das überlebenswichtige Licht raubt. Die einst vielfältigen Strukturen sowie wertvollen Kleinstandorte wachsen ein und entwickeln sich somit negativ in Bezug auf die Artenvielfalt, ausgenommen von der Alt- und Totholzphase. Besonders wertvolle Heckenabschnitte im Naturpark werden im Rahmen der Pilotprojekte gepflegt. Insbesondere werden dominante Baum- und Straucharten reduziert und ökologisch wertvolle Arten und Kleinstrukturen gefördert.
Alleen Auch die Alleen gehören zum charakteristischen Landschaftsbild des Naturparks Pfyn-Finges. Infolge der Überalterung und aus Sicherheitsgründen für den Strassenverkehr sind in den letzten Jahrzehnten viele alte Alleen verschwunden. In verschiedenen Gemeinden werden nun in Absprache mit dem Kanton Ersatzstandorte für die Alleen gesucht. In der Gemeinde Leuk wird im Zuge des Projektes Grenzkultur eine Allee auf der Länge von einem Kilometer neu gepflanzt.
Den dritten Eckpfeiler bildet der Rückbau von problematischen Grenzstrukturen wie Stacheldraht sowie Armierungsgitter oder das Ersetzen dieser mit korrekt erstellten Elektrozäunen.
Als letztes werden die kulturellen Aspekte wie mündliche Überlieferungen, Sagen oder Bräuche dokumentiert sowie archiviert und es wird eine aktive Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit geleistet. 2010 und 2011 werden durch die lokalen Forstbetriebe die ersten Pilotprojekte umgesetzt, welche Erkenntnisse und Erfahrungszahlen liefern sollen, um über den gesamten Parkperimeter ein Aufwertungskonzept der Grenzstrukturen zu erarbeiten.
Links zum Thema: Es lebe - ein einfacher Holzzaun... |